Die Alternative
Ein Schiff wird kommen, und das bringt mir den einen
Den ich so lieb’ wie keinen, und der mich glücklich macht
Ein Schiff wird kommen und meinen Traum erfüllen
Und meine Sehnsucht stillen, die Sehnsucht mancher Nacht
M. Hadjidakis / F. Busch
Es ist frappierend, wie schnell in Krisenzeiten der antidemokratische Reflex erwacht. Er muss nicht erst von Ideologen in die Gesellschaft eingeschleust werden; er ist immer schon da.
In diesem Artikel bescheinigen der Theaterkritiker Dirk Pilz und die Journalistin Friederike Schröter der Demokratie, dass sie am Ende sei. Ihr Text enthält weder neue Einsichten noch eine stimmige Argumentation. Angesichts der Situation in der EU könne man sich Demokratie eben nicht mehr leisten; aber irgendwie sei es auch „das Beste, was der westlichen Demokratie passieren konnte“, wenn sie sich selbst in Frage stellt. Das Volk – so Pilz und Schröter – ist unberechenbar und nicht in der Lage, im Sinne seiner eigenen Interessen zu handeln, weil er keine Antwort auf die akuten Probleme hat. Die Politiker und Experten haben auch keine. Macht aber nichts. Man kann ja mal darüber nachdenken, das Volk durch einen kompetenteren Souverän zu ersetzen, auch wenn man nicht recht weiß, wer da gerade in Frage käme. Es darf keine Denkverbote geben:
„Denn Fantasie für das Neue entsteht nur, wenn nicht am Anfang schon gefordert wird, was sie selbst erst hervorbringen kann: eben etwas Neues, Anderes, bislang Unvorstellbares. Zum Beispiel eine alternative Gesellschaftsform zur Demokratie, die die Prinzipien der Rechtsstaatlichkeit, Presse- und Meinungsfreiheit wahrt, ohne zum Spielball der Weltprobleme zu werden. Ohne von den Finanzmärkten, den Umweltproblemen und weltweiten Migrationsbewegungen fremdgesteuert zu sein.“
Wenn die Angst um das Eigene in uns hochkriecht, regredieren wir. Wir möchten keine Verantwortung tragen und nichts zu sagen haben. Wir möchten nicht über Machtstrukturen nachdenken. Nicht über die zahlreichen alternativen Gesellschaftsformen zur Demokratie, die in bester Absicht schon ausprobiert worden sind. Und nicht darüber, was sich ändert, wenn ein Souverän, der nicht wir sind, uns Rechtsstaatlichkeit, Presse- und Meinungsfreiheit gewährt. Hauptsache er macht, dass die böse Krise weggeht und nie, nie wiederkommt. (Nett wäre auch noch, wenn er nicht so wäre, wie die bisherigen nichtdemokratischen Souveräne. Sondern halt irgendwie neu, anders, bislang unvorstellbar).
