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	<title>zeichenriss</title>
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	<description>Deponie für schadhafte Signifikanten</description>
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		<title>Die Alternative</title>
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		<pubDate>Sat, 05 Nov 2011 18:45:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>radierer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein Schiff wird kommen, und das bringt mir den einen Den ich so lieb&#8217; wie keinen, und der mich gl&#252;cklich macht Ein Schiff wird kommen und meinen Traum erf&#252;llen Und meine Sehnsucht stillen, die Sehnsucht mancher Nacht M. Hadjidakis / F. Busch Es ist frappierend, wie schnell in Krisenzeiten der antidemokratische Reflex erwacht. Er muss [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: right;"><em>Ein Schiff wird kommen, und das bringt mir den einen</em><br />
<em>Den ich so lieb&#8217; wie keinen, und der mich gl&#252;cklich macht</em><br />
<em>Ein Schiff wird kommen und meinen Traum erf&#252;llen</em><br />
<em>Und meine Sehnsucht stillen, die Sehnsucht mancher Nacht</em></p>
<p style="text-align: right;"><em></em>M. Hadjidakis / F. Busch</p>
<p style="text-align: left;">Es ist frappierend, wie schnell in Krisenzeiten der antidemokratische Reflex erwacht. Er muss nicht erst von Ideologen in die Gesellschaft eingeschleust werden; er ist immer schon da.</p>
<p>In <a title="Berliner Zeitung, 5.11. 2011" href="http://www.berliner-zeitung.de/kultur/essay-wir-sind-zunaechst-am-ende,10809150,11103754.html">diesem Artikel</a> bescheinigen der Theaterkritiker Dirk Pilz und die Journalistin Friederike Schr&#246;ter der Demokratie, dass sie am Ende sei. Ihr Text enth&#228;lt weder neue Einsichten noch eine stimmige Argumentation. Angesichts der Situation in der EU k&#246;nne man sich Demokratie eben nicht mehr leisten; aber irgendwie sei es auch „das Beste, was der westlichen Demokratie passieren konnte“, wenn sie sich selbst in Frage stellt. Das Volk – so Pilz und Schr&#246;ter – ist unberechenbar und nicht in der Lage, im Sinne seiner eigenen Interessen zu handeln, weil er keine Antwort auf die akuten Probleme hat. Die Politiker und Experten haben auch keine. Macht aber nichts. Man kann ja mal dar&#252;ber nachdenken, das Volk durch einen kompetenteren Souver&#228;n zu ersetzen, auch wenn man nicht recht wei&#223;, wer da gerade in Frage k&#228;me. Es darf keine Denkverbote geben:</p>
<p><em>„Denn Fantasie f&#252;r das Neue entsteht nur, wenn nicht am Anfang schon gefordert wird, was sie selbst erst hervorbringen kann: eben etwas Neues, Anderes, bislang Unvorstellbares. Zum Beispiel eine alternative Gesellschaftsform zur Demokratie, die die Prinzipien der Rechtsstaatlichkeit, Presse- und Meinungsfreiheit wahrt, ohne zum Spielball der Weltprobleme zu werden. Ohne von den Finanzm&#228;rkten, den Umweltproblemen und weltweiten Migrationsbewegungen fremdgesteuert zu sein.“</em></p>
<p>Wenn die Angst um das Eigene in uns hochkriecht, regredieren wir. Wir m&#246;chten keine Verantwortung tragen und nichts zu sagen haben. Wir m&#246;chten nicht &#252;ber Machtstrukturen nachdenken. Nicht &#252;ber die zahlreichen alternativen Gesellschaftsformen zur Demokratie, die in bester Absicht schon ausprobiert worden sind. Und nicht dar&#252;ber, was sich &#228;ndert, wenn ein Souver&#228;n, der nicht wir sind, uns Rechtsstaatlichkeit, Presse- und Meinungsfreiheit <em>gew&#228;hrt</em>. Hauptsache er macht, dass die b&#246;se Krise weggeht und nie, nie wiederkommt. (Nett w&#228;re auch noch, wenn er nicht so w&#228;re, wie die bisherigen nichtdemokratischen Souver&#228;ne. Sondern halt irgendwie neu, anders, bislang unvorstellbar).</p>
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		<title>Der b&#246;se Mann</title>
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		<pubDate>Fri, 21 Oct 2011 18:44:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>radierer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Vorzeichen]]></category>
		<category><![CDATA[das Böse]]></category>
		<category><![CDATA[Gaddafi]]></category>
		<category><![CDATA[Gewalt]]></category>
		<category><![CDATA[Tyrannenmord]]></category>

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		<description><![CDATA[Wir sind m&#252;de Wir wollen schlafen Und der b&#246;se Mann Kommt immer n&#228;her Und erst wenn er tot ist Werden wir wissen wer wir sind PeterLicht Als am Donnerstag die Meldung kam, Gaddafi sei verletzt gefangengenommen worden, hat mich das erstaunt. Als kurze Zeit sp&#228;ter sein Tod gemeldet wurde, hat mich das nicht erstaunt. Genauso [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: right;"><em>Wir sind m&#252;de</em><br />
<em>Wir wollen schlafen</em><br />
<em>Und der b&#246;se Mann</em><br />
<em>Kommt immer n&#228;her</em><br />
<em>Und erst wenn er tot ist</em><br />
<em>Werden wir wissen wer wir sind</em><br />
PeterLicht</p>
<p>Als am Donnerstag die Meldung kam, Gaddafi sei verletzt gefangengenommen worden, hat mich das erstaunt.</p>
<p>Als kurze Zeit sp&#228;ter sein Tod gemeldet wurde, hat mich das nicht erstaunt. Genauso wenig wie die Reaktionen in Libyen und international. Oder das Auftauchen der Bilder, von denen erst berichtet wurde und die dann sich dann sehr schnell, mit mehr oder weniger verdrucksten Erkl&#228;rungen, im Netz verbreitet haben. Ich glaube, es ist mir nicht allein so gegangen.</p>
<p>Es gibt Tyrannen, die ihren Sturz &#252;berlebt haben. Teilweise auch um Jahrzehnte. Es gibt auch einige, die eines nat&#252;rlichen Todes gestorben sind. Aber das ist die Ausnahme.</p>
<p>Der K&#246;rper des Tyrannen ist ein symbolischer K&#246;rper. Sein Sturz ist erst vollendet, wenn er auch physisch aus der Welt geschafft ist. Ein gest&#252;rzter, aber lebendiger Tyrann verf&#252;gt &#252;ber Wissen und Macht. Er l&#246;st &#196;ngste und Hoffnungen aus. Er kann die verh&#246;hnen, deren Leben er auf dem Gewissen hat. Und die, die ihn umschmeichelt und mit ihm Gesch&#228;fte gemacht haben. Im Augenblick der Todesmeldung wurde in weiten Teilen der libyschen und der Welt&#246;ffentlichkeit Erleichterung und Freude bekundet. Die Motive daf&#252;r d&#252;rften sehr unterschiedlicher Art sein.</p>
<p>Die T&#246;tung eines Tyrannen ist ein eigenartiger Akt. Er soll der Befreiung dienen. Der Befreiung von Unterdr&#252;ckung. Aber auch der Befreiung von der eigenen Verstrickung in das, was der Tyrann verk&#246;rpert hat. Mit dem Tyrannen soll die Vergangenheit entsorgt werden. Das ist die Fiktion. Aber indem die Grausamkeit des Tyrannen nun gegen ihn selbst gewendet wird, &#252;berlebt sie ihn zugleich. Sie ist sein Verm&#228;chtnis an die, die ihm antun, was er vielen anderen angetan hat. Am Beginn des neuen Zeitalters steht eine gewaltsame T&#246;tung. Es ist nicht einfach, danach aus dieser Logik des Handelns wieder herauszufinden. Die Versuchung ist gro&#223;, zu sagen: <em>Er</em> war b&#246;se und handelte aus Willk&#252;r. <em>Wir</em> sind gut und handeln aus Notwendigkeit. Damit ist schon aus dem Blick geraten, dass der Ma&#223;stab des Neuen und Besseren in den Handlungen selbst liegt. Nicht in der Bewertung der Charaktere und Motive.</p>
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		<title>Respekt</title>
		<link>http://www.zeichenriss.de/2010/02/respekt/</link>
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		<pubDate>Sat, 27 Feb 2010 09:48:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>radierer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Umgangsformen]]></category>
		<category><![CDATA[Käßmann]]></category>

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		<description><![CDATA[Es ist nicht schwer, Recht zu haben, wenn jemand anders einen Fehler gemacht hat. Unsere moralischen Ma&#223;st&#228;be sind fest, streng und unverr&#252;ckbar, wenn wir sie an andere anlegen. Schwieriger ist es, sich einzugestehen, dass man selbst einen Fehler begangen hat. Einen schwerwiegenden Fehler, &#252;ber den man nicht einfach Gras wachsen lassen kann. Und sich den [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es ist nicht schwer, Recht zu haben, wenn jemand anders einen Fehler gemacht hat. Unsere moralischen Ma&#223;st&#228;be sind fest, streng und unverr&#252;ckbar, wenn wir sie an andere anlegen.</p>
<p>Schwieriger ist es, sich einzugestehen, dass man selbst einen Fehler begangen hat. Einen schwerwiegenden Fehler, &#252;ber den man nicht einfach Gras wachsen lassen kann. Und sich den Konsequenzen zu stellen.</p>
<p>Das zu tun, ist am Ende das einzig Richtige. Aber es ist weder einfach noch selbstverst&#228;ndlich. Es verdient Achtung und Respekt.</p>
<p>Man kann es sich auch mit dem Rechthaben <a href="http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2010/02/margot-kassmann-kein-respekt-fur-alkolenker.php" target="_blank">allzu leicht machen</a>.</p>
<div class="zemanta-pixie"><img class="zemanta-pixie-img" src="http://img.zemanta.com/pixy.gif?x-id=eb518913-3fb2-8490-8ebc-a8d5ec81cd83" alt="" /></div>
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		</item>
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		<title>Ein Missverst&#228;ndnis</title>
		<link>http://www.zeichenriss.de/2009/10/ein-missverstaendnis/</link>
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		<pubDate>Tue, 13 Oct 2009 23:28:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>radierer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Buchstaben]]></category>
		<category><![CDATA[Ikonen]]></category>
		<category><![CDATA[Herta Müller]]></category>

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		<description><![CDATA[Es ist eine alte Geschichte Doch bleibt sie immer neu Und wem sie just passieret Dem bricht sie das Herz entzwei Heinrich Heine Es soll vorkommen, dass gro&#223;e K&#252;nstler auch begabte P&#228;dagogen sind. Die Regel ist es nicht unbedingt. Kunst, wenn sie gelingt, hat fast immer etwas Abgr&#252;ndiges. Die Abgr&#252;nde, auf die sie verweist und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: right;"><em>Es ist eine alte Geschichte<br />
Doch bleibt sie immer neu<br />
Und wem sie just passieret<br />
Dem bricht sie das Herz entzwei</em><br />
Heinrich Heine</p>
<p>Es soll vorkommen, dass gro&#223;e K&#252;nstler auch begabte P&#228;dagogen sind. Die Regel ist es nicht unbedingt.</p>
<p>Kunst, wenn sie gelingt, hat fast immer etwas Abgr&#252;ndiges. Die Abgr&#252;nde, auf die sie verweist und aus denen sie sich speist, sind sehr intim. Es k&#246;nnen biographische Verletzungen sein. Erfahrungen wie Dem&#252;tigung. Ausgeschlossensein. Un&#252;berwindliche Einsamkeit. Abh&#228;ngigkeit.</p>
<p>Jede Lebensgeschichte hat ihre Abgr&#252;nde. Wie daraus Kunst entsteht, die das Abgr&#252;ndige zum Vorschein bringt, es vergegenw&#228;rtigt und dar&#252;ber hinwegtanzt: das l&#228;sst sich weder lehren noch lernen. Hier gibt es keine Methode. Wo es gelingt, da l&#228;sst sich vielleicht die Geschichte dieses Gelingens nachvollziehen und erz&#228;hlen. Sie taugt aber nicht als Anleitung. Sie ist keine Blaupause.</p>
<p><a href="http://www.zeit.de/studium/uni-leben/2009-10/herta-mueller-literaturseminar">Die K&#252;nstlerin, die <em>dies</em> vermitteln m&#246;chte, muss scheitern.</a> Sie w&#228;re vielleicht nicht K&#252;nstlerin ohne die Verletzungen und Dem&#252;tigungen, die sie erfahren hat. Sie nimmt ihre Sch&#252;ler ernst und m&#246;chte sie nicht mit Verfahrenstipps und billigem Lob abspeisen. Sie m&#246;chte sie das Eigentliche sp&#252;ren lassen. Das Wesentliche. Am Ende f&#252;hrt das dazu, dass sie die, denen sie etwas beibringen wollte, verletzt und dem&#252;tigt. Sie gibt damit etwas von ihrer eigenen Erfahrung weiter. Aber sie wird diejenigen, die von ihr lernen wollten, dadurch nicht zu K&#252;nstlern machen, sondern blo&#223; entmutigen.</p>
<p>Denn das, worauf es ihr ankommt, l&#228;sst sich bei einer solchen Veranstaltung nicht weitergeben. Es ist nicht so einfach zu haben. Und viele, die hoffnungsvoll ins Seminar gekommen sind, waren daran vielleicht gar nicht interessiert. Sie wollten das lernen, was sich lehren l&#228;sst: bessere Texte zu schreiben.</p>
<p>Unwichtige Texte, vielleicht. Banale Texte mit begrenztem k&#252;nstlerischen Wert und sehr kurzer Halbwertzeit. Gebrauchstexte. Genretexte. Die Art von Texten, denen sich mit Rezepten und Regeln beikommen l&#228;sst. Sie h&#228;tten gern daran gearbeitet und gefeilt. Sie h&#228;tten daf&#252;r eine andere Dozentin gebraucht.</p>
<p>Das aber, was Herta M&#252;ller zu geben h&#228;tte, kann sie in einem solchen Rahmen nicht geben. Sondern, wenn &#252;berhaupt, nur dort, wo eine Beziehung entsteht. Eine enge, ungesch&#252;tzte, qu&#228;lende Beziehung, die von einem k&#252;nstlerischen Einverst&#228;ndnis getragen wird. Eine Beziehung, die etwas gemeinsam h&#228;tte mit einer gelingenden Beziehung zwischen Text und Leser.</p>
<div class="zemanta-pixie"><img class="zemanta-pixie-img" src="http://img.zemanta.com/pixy.gif?x-id=69b00d34-6003-8a61-802e-e98f78986108" alt="" /></div>
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		</item>
		<item>
		<title>Artem Loskutov aus U-Haft entlassen</title>
		<link>http://www.zeichenriss.de/2009/06/artem-loskutov-aus-u-haft-entlassen/</link>
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		<pubDate>Wed, 10 Jun 2009 13:48:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>radierer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Rauchzeichen]]></category>
		<category><![CDATA[loskutov]]></category>

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		<description><![CDATA[Der russische Aktionsk&#252;nstler Artem Loskutov ist heute auf Beschluss des Kreisgerichts Novosibirsk aus der U-Haft entlassen worden. Das Kreisgericht hat damit den Entscheid des Bezirksgerichts vom 20. Mai aufgehoben. In der Begr&#252;ndung sagte die Richterin, dass der Entscheid des Bezirksgerichts den Anforderungen an einen Gerichtsentscheid nicht gen&#252;ge: Dieser m&#252;sse rechtlich einwandfrei, begr&#252;ndet und motiviert sein. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der <a title="Freiheit f&#252;r Artem Loskutov" href="http://www.zeichenriss.de/2009/06/freiheit-fuer-artem-loskutov/" target="_blank">russische Aktionsk&#252;nstler Artem Loskutov</a> ist heute auf Beschluss des Kreisgerichts Novosibirsk aus der U-Haft entlassen worden. Das Kreisgericht hat damit den Entscheid des Bezirksgerichts vom 20. Mai aufgehoben. In der Begr&#252;ndung sagte die Richterin, dass der Entscheid des Bezirksgerichts den Anforderungen an einen Gerichtsentscheid nicht gen&#252;ge: Dieser m&#252;sse rechtlich einwandfrei, begr&#252;ndet und motiviert sein. Die Aussagen zur Pers&#246;nlichkeit des Angeklagten seien bei der Entscheidung des Kreisgerichts nicht hinreichend gew&#252;rdigt worden.</p>
<p>Quellen (in russischer Sprache):</p>
<p><a href="http://newsru.com/russia/10jun2009/loskutov.html" target="_blank">newsru.com</a></p>
<p><a href="http://kissmybabushka.com/" target="_blank">kissmybabushka.com</a></p>
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		<title>Freiheit f&#252;r Artem Loskutov</title>
		<link>http://www.zeichenriss.de/2009/06/freiheit-fuer-artem-loskutov/</link>
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		<pubDate>Tue, 09 Jun 2009 07:59:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>radierer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Rauchzeichen]]></category>
		<category><![CDATA[loskutov]]></category>

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		<description><![CDATA[Am 15. Mai 2009 wurde in Novosibirsk der 22-j&#228;hrige K&#252;nstler und Aktivist Artem Loskutov (Aussprache: Artjóm Loskútov) festgenommen. Seither befindet er sich in Untersuchungshaft. Artem Loskutov ist Mitgr&#252;nder der K&#252;nstlergruppe CAT (Contemporary Art Terrorism; Link russisch) und ihrer Nachfolgeorganisation Babuschka posle pochoron (Die Omi nach dem Begr&#228;bnis; Link russisch). Die Gruppe organisiert seit 2004 j&#228;hrlich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Am 15. Mai 2009 wurde in Novosibirsk der 22-j&#228;hrige K&#252;nstler und Aktivist Artem Loskutov (Aussprache: Artjóm Loskútov) festgenommen. Seither befindet er sich in Untersuchungshaft.</p>
<p>Artem Loskutov ist Mitgr&#252;nder der K&#252;nstlergruppe <a href="http://cat-group.info/r_hauptseite.html" target="_blank">CAT</a> (<em>Contemporary Art Terrorism</em>; Link russisch) und ihrer Nachfolgeorganisation <a href="http://kissmybabushka.com" target="_blank">Babuschka posle pochoron</a> (<em>Die Omi nach dem Begr&#228;bnis</em>; Link russisch). Die Gruppe organisiert seit 2004 j&#228;hrlich am 1. Mai sogenannte <a href="http://free.kissmybabushka.com/texts" target="_blank">Monstrationen</a>. Dabei handelt es sich um eine Art Erg&#228;nzung der offiziellen Demonstration zum 1. Mai. Die Teilnehmer tragen Plakate mit Aufschriften wie <em>„Fang den Hengst“</em>, <em>„Wo bin ich“</em>, <em>„Ich bin daf&#252;r“</em>, <em>„Nieder mit der Ausbeutung der sibirischen Fauna durch die moderne Kunst“</em> oder einfach eine rote Linie auf wei&#223;em Grund. In einem Land, in dem die offiziellen Demonstrationen traditionell von den Autorit&#228;ten organisiert werden, geht es dabei auch darum, den &#246;ffentlichen Raum als Ort k&#252;nstlerischer und politischer &#196;u&#223;erungen zur&#252;ckzuerobern.</p>
<p>Die Aktionen wurden von den Beh&#246;rden seit jeher mit Argwohn beobachtet; es kam zu Repressionen, Verhaftungen und Bu&#223;geldforderungen. In diesem Jahr war man offensichtlich entschlossen, die „Monstration“ zu verhindern. Federf&#252;hrend dabei war die &#246;rtliche Niederlassung des „Zentrums f&#252;r Extremismuspr&#228;vention“, das dem russischen Innenministerium unterstellt ist. In den sechs Monaten vor dem 1. Mai wurden die Telefone der Gruppenmitglieder systematisch abgeh&#246;rt. Das „Zentrum f&#252;r Extremismuspr&#228;vention“ lud Loskutov mehrfach zu „Diskussionen“ ein (bzw. vor) und wies seine Eltern darauf hin, dass ihr Sohn Mitglied einer radikalen Splittergruppe sei. Auch am 1. Mai, dem Tag der „Monstration“, befand sich Loskutov nicht unter den Teilnehmern sondern im „Zentrum f&#252;r Extremismuspr&#228;vention“ bei einer „Diskussion“.</p>
<p>Am 15. Mai wurde Artem Loskutov vom Leiter des Zentrums telefonisch aufgefordert, sich zu einer weiteren Diskussion dort einzufinden. Er bestand auf einer schriftlichen Vorladung, wie sie nach dem Gesetz erforderlich ist. Daraufhin drohte ihm der Leiter an, ihn direkt von der Arbeit abholen zu lassen. Dazu kam es nicht. Am Abend desselben Tages wurde Loskutov aber auf offener Stra&#223;e verhaftet. Dabei wurden angeblich 11 Gramm Marihuana bei ihm gefunden &#8211; ein Menge, die gerade f&#252;r eine strafrechtliche Verurteilung ausreicht. Am 20. Mai fand eine Verhandlung statt, bei der die Richterin entschied, dass Loskutov vorerst in Untersuchungshaft bleibt.</p>
<p>Im Petersburger Blog <a href="http://chtodelat.wordpress.com/2009/06/04/free-artem-loskutov" target="_blank">Chtodelat  News</a>, das die Unterst&#252;tzung f&#252;r Loskutov mit organisiert, wird vermutet, dass es dem &#8220;Zentrum f&#252;r Extremismuspr&#228;vention&#8221; bei der Verhaftung und den vorangehenden Repressionen im Wesentlichen um die Rechtfertigung der eigenen Existenz geht. Lokutov w&#228;re in diesem Fall eine Art Bauernopfer: Wo es Extremismusbek&#228;mpfung gibt, muss es auch Extremisten geben. Wenn sich keine finden, backt man sich welche, schon aus Gr&#252;nden der Arbeitsplatzsicherung.</p>
<p>Wenn diese Interpretation zutrifft, ist der Fall Lokutov keine exotische Anekdote aus einem vordemokratischen Land. Er zeigt vielmehr eine bedr&#252;ckende N&#228;he zu Tendenzen, die sich auch anderswo abzeichnen &#8211; Deutschland <a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,497923,00.html" target="_blank">nicht</a> <a href="http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=13829" target="_blank">ausgenommen</a>. Weniger beunruhigend werden die Dinge dadurch nicht. Im Gegenteil.</p>
<p><strong>So kann man Artem Loskutov unterst&#252;tzen:</strong></p>
<p><em>1. Spendenkonto f&#252;r die rechtliche Vertretung:</em></p>
<p>Kontoinhaber: Roter Baum gGmbH Servicestelle Leipzig<br />
Bank f&#252;r Sozialwirtschaft BLZ: 85020500;<br />
Ktonr. 3619703;<br />
Verwendungszweck: Spende Rechtsbeistand Artem Loskutov (unbedingt angeben!)</p>
<p><em>2. Adresse des zust&#228;ndigen Gerichts (f&#252;r Anfragen per Telefon, E-Mail oder Fax): </em></p>
<p>Bezirksgericht Novosibirsk<br />
ul. Pisareva 35<br />
Russische F&#246;deration, 630091 Novosibirsk<br />
Telefon: +7 (383) 221-17-72; Fax: +7 (383) 221-95-30<br />
E-Mail: oblsudnso@nsk.raid.ru</p>
<p><em>3. Ver&#246;ffentlichungen in der Presse sowie in Blogs, Mailinglisten und Foren </em></p>
<p><strong>Weitere Links zum Thema: </strong></p>
<p><a href="http://yhrm-berlin.org/content/view/92/32/" target="_blank">Deutschsprachige Pressemitteilung</a><br />
<a href="http://www.sueddeutsche.de/n5e38B/2903081/" target="_blank">De-Monstration der Macht</a> (Artikel auf SZ Online)<br />
<a href="delphinov.net/blog/de/129.html" target="_blank">delphinov.net</a> (deutschsprachige Zusammenfassung)<br />
<a href="http://chtodelat.wordpress.com/" target="_blank">Chtodelat News</a> (kontinuierliche Berichterstattung auf Englisch)<br />
<a href="http://www.globalpost.com/dispatch/russia-and-its-neighbors/090602/art-politics?page=0,0" target="_blank">globalpost</a> (Artikel auf Englisch)<br />
<a href="http://kissmybabushka.com/" target="_blank">kissmybabushka.com</a> (russischsprachige Website der K&#252;nstlergruppe „Die Omi nach dem Begr&#228;bnis“)<br />
<a href="http://www.dradio.de/dlf/sendungen/dasfeature/878625/" target="_blank">„Denke global, handle idiotisch“</a> (Deutschlandfunk-Feature &#252;ber die K&#252;nstlergruppe)</p>
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		<title>Seit ein Gespr&#228;ch wir sind</title>
		<link>http://www.zeichenriss.de/2009/04/seit-ein-gespraech-wir-sind/</link>
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		<pubDate>Wed, 22 Apr 2009 11:03:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>radierer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunikationskanäle]]></category>
		<category><![CDATA[Vorzeichen]]></category>
		<category><![CDATA[Blogs]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>

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		<description><![CDATA[Viel hat von Morgen an, Seit ein Gespr&#228;ch wir sind und h&#246;ren voneinander, Erfahren der Mensch; bald sind wir aber Gesang. Friedrich H&#246;lderlin Folge dem Trottelbot! Er folgt dir zur&#252;ck! trottelbot So bald sind wir dann also doch nicht Gesang. Die Harmonie der Sph&#228;ren l&#228;sst auf sich warten. Einstweilen redet alles fr&#246;hlich durcheinander. Das Stimmengewirr [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: right;"><em>Viel hat von Morgen an,<br />
Seit ein Gespr&#228;ch wir sind und h&#246;ren voneinander,<br />
Erfahren der Mensch; bald sind wir aber Gesang. </em><br />
<a href="http://www.zeno.org/Literatur/M/H&#246;lderlin,+Friedrich/Gedichte/Gedichte+1800-1804/%5BHymnen%5D/Friedensfeier" target="_blank">Friedrich H&#246;lderlin</a></p>
<p style="text-align: right;"><em>Folge dem Trottelbot! Er folgt dir zur&#252;ck! </em><br />
<a href="http://twitter.com/trottelbot" target="_blank">trottelbot</a></p>
<p style="text-align: left;">So bald sind wir dann also doch nicht Gesang. Die Harmonie der Sph&#228;ren l&#228;sst auf sich warten. Einstweilen redet alles fr&#246;hlich durcheinander. Das Stimmengewirr schwillt immer weiter an. Neu ist, dass jede einzelne Stimme sich Geh&#246;r verschaffen kann und bis ans andere Ende der Welt verstanden wird. Es gibt keine Vorauswahl mehr; wir m&#252;ssen – und d&#252;rfen – selbst filtern.</p>
<p style="text-align: left;">„<em>Blogs sind Massenmedien nicht mehr, weil man Massen erreichen kann, sondern weil sich dort Massen &#228;u&#223;ern</em>“, <a href="http://www.taz.de/1/debatte/kommentar/artikel/1/wie-geht-es-uns-herr-kueppersbusch-75/" target="_blank">sagt</a> Friedrich K&#252;ppersbusch und bringt die Dinge damit auf den Punkt: Das Publikum ist im Internet nicht mehr, was es bisher war. Niemand ist mehr auf die Rolle des Rezipienten beschr&#228;nkt. Wir sind weiterhin Leser, H&#246;rer, Zuschauer, aber auch Autoren, Interpreten, Akteure. Wir sind weiterhin Verbraucher und Staatsb&#252;rger, aber nicht mehr blo&#223; Konsumenten und „Menschen drau&#223;en im Lande“. Es ist m&#246;glich geworden, sich ohne gro&#223;en Aufwand und Zugangskontrollen direkt zu &#228;u&#223;ern und Einfluss zu nehmen: auf die &#246;ffentliche Meinung, auf den Markt, auf die Politik.</p>
<p style="text-align: left;">Wir waren gewohnt, dass es Einrichtungen gibt, die unsere Interessen vertreten. Die f&#252;r uns Politik machen und Produkte entwickeln. Die Meinungen formulieren, in denen wir uns wiederfinden. Uns bespielen und unterhalten. Es wird solche Einrichtungen auch weiterhin geben, morgen und in zwanzig Jahren. Aber sie werden nicht mehr dieselben sein.</p>
<p style="text-align: left;">Ver&#228;nderung hat oft etwas Bedrohliches, und deshalb ist es kein Wunder, dass viele Vertreter dieser Einrichtungen verst&#246;rt reagieren. Nat&#252;rlich m&#246;chten sie das Neue, das da entsteht, f&#252;r ihre Zwecke nutzen. Davon abgesehen besch&#228;ftigt sie aber vor allem die Frage, wie sie das, was sich nicht in ihre Zwecke f&#252;gt, mit ihren spezifischen Mitteln unter Kontrolle bringen und einschr&#228;nken k&#246;nnen. Das l&#228;sst sich in Wirtschaft, Justiz und Politik beobachten. Und nat&#252;rlich auch in den Medien.</p>
<p style="text-align: left;">Selbst Friedrich K&#252;ppersbusch ist durchaus nicht begeistert davon, dass sich die Massen &#228;u&#223;ern. Vor dem oben angef&#252;hrten Zitat steht: „<em>Niemand kann das alles lesen.</em>“ Und danach folgt dies:</p>
<blockquote>
<p style="text-align: left;"><em>Im n&#228;chsten Schritt werden kluge Blogwarte Best-ofs ver&#246;ffentlichen, dann wird es spannender.</em></p>
</blockquote>
<p style="text-align: right;">(<a href="http://www.taz.de/1/debatte/kommentar/artikel/1/wie-geht-es-uns-herr-kueppersbusch-75/" target="_blank">taz, 29.03.2009</a>)</p>
<p style="text-align: left;">Dr. Bernd Graff, Redaktionsleiter f&#252;r den Bereich Kultur bei der S&#252;ddeutschen Zeitung, hat sich bereits vor &#252;ber einem Jahr &#252;ber „<em>Die neuen Idiotae &#8211; Web 0.0</em>“ und „<em>Loser Generated Content</em>“ <a href="http://www.sueddeutsche.de/computer/28/426784/text/" target="_blank">ausgelassen</a>. Und der Konzertveranstalter Marek Lieberberg, der Andrew Keens Buch <em><a href="http://www.hanser.de/buch.asp?isbn=978-3-446-41566-9&amp;area=Wirtschaft" target="_blank">Die Stunde der St&#252;mper</a></em> gelesen hat, wird von geradezu apokalyptischen &#196;ngsten geplagt:</p>
<blockquote>
<p style="text-align: left;"><em>Die Unterschiede zwischen ausgebildeten Experten und einf&#228;ltigen Laien verwischen, weil jeder Narr einen Blog oder ein Video ins Netz stellen, Eintr&#228;ge ab&#228;ndern oder austauschen kann. Zwar wird so gut wie nichts davon angesehen oder gelesen, aber der L&#228;rm des Ganzen ist ohrenbet&#228;ubend, das ist das eine &#8211; das andere ist, dass auch der Amoklauf von Winnenden gezeigt hat, wie schnell die &#214;ffentlichkeit samt Politik und hochseri&#246;sen Bl&#228;ttern den Falschinformationen von flinken Netz-Desperados aufsitzen. Freiheit und Fluch der Softmoderne zersetzen so ein einst bl&#252;hendes Ecosystem von Autoren, Journalisten, Musikern und Schauspielern, Dichtern und Denkern. Wenn man diesem Wahnsinn nicht Einhalt gebietet, werden Reflexionen von Web-Zombies Filme, Musik und B&#252;cher abl&#246;sen. Those were the days?</em></p>
</blockquote>
<p style="text-align: right;">(<a href="http://www.sueddeutsche.de/351385/637/2820647/Das-wollt-ihr-ni-cht-wirkli-ch.html" target="_self">S&#252;ddeutsche Zeitung, 22.02.2009</a>)</p>
<p style="text-align: left;">Aus diesen Worten spricht schon die nackte Panik. Da bringt jemand &#252;berst&#252;rzt beliebige Argumente f&#252;r eine Abwehr in Stellung, ohne darauf zu achten, wie eines zum anderen passt. Wenn <em>so gut wie nichts davon angesehen oder gelesen</em> wird, wieso verwischen dann die Unterschiede zwischen (<em>ausgebildeten</em>!!!) Experten und (<em>einf&#228;ltigen</em>!!!) Laien? Und wieso besteht dann die Gefahr, dass <em>Reflexionen von Web-Zombies Filme, Musik und B&#252;cher abl&#246;sen</em>? Wenn <em>hochseri&#246;se </em>Bl&#228;tter den <em>Falschinformationen von flinken Netz-Desperados</em> aufsitzen, wer hat dann ein Problem &#8211; die Bl&#228;tter oder die Desperados? Und wie soll <em>dem Wahnsinn Einhalt </em>geboten werden? Indem das Internet k&#252;nftig nur noch &#252;ber Konzertagenturen, Unterhaltungsindustrie, Medien, Unternehmen und Politik bespielt werden darf?</p>
<p style="text-align: left;">Nein. Those were the days. Was &#246;ffentlich wird, bestimmen nicht mehr allein die traditionellen Distributoren. Immer mehr Menschen k&#246;nnen mitreden, und sie werden es tun. Das ver&#228;ndert auch die &#246;ffentliche Sph&#228;re als solche. Dass ich mich „im Internet“ &#228;u&#223;ere, bedeutet nicht, dass ich ein Publikum von Tausenden oder Millionen erreiche. Vielleicht findet das, was ich mitteilen m&#246;chte, nur zwei oder drei Interessenten. Aber weil viele sich &#228;u&#223;ern und miteinander in Verbindung treten, entsteht auf diese Weise zugleich ein Geflecht untereinander vernetzter Foren – viele davon mit winziger, einige mit gr&#246;&#223;erer oder sehr gro&#223;er Reichweite. Die Durchl&#228;ssigkeit ist hoch, und wenn etwas von Interesse ist, wird es von denen, die es angeht, sehr schnell verbreitet, verwendet und beantwortet.</p>
<p style="text-align: left;">Diese Art des Austauschs ist eine Bereicherung. Sie bietet etwas, was die klassischen Medien nicht bieten konnten. Zugleich zieht sie Aufmerksamkeit von den tradierten Kommunikationskan&#228;len ab. Friedrich K&#252;ppersbusch und Marek Lieberberg stellen auf einmal fest, dass diejenigen, die in Vor-Netz-Zeiten ihr Auditorium bildeten, als „<em>Massen</em>“ und „<em>Netz-Desperados</em>“ produktiv werden und mit ihnen um Reichweite konkurrieren. Allzu gro&#223;e Sorgen m&#252;ssten sie sich deshalb eigentlich nicht machen. Es ist ja nicht so, dass das, was sie zu bieten haben, ohne Weiteres von jedem zu ersetzen w&#228;re. Erfahrung, Kompetenz und Professionalit&#228;t werden durch das Netz nicht pl&#246;tzlich obsolet. Allerdings k&#246;nnen auch erfahrene, kompetente und professionelle Leute nicht einfach in den gewohnten Bahnen weitersegeln. Sie m&#252;ssen zu neuen, unbekannten Ufern aufbrechen. Sie m&#252;ssen bereit sein, ihr Schiff auf offener See umzubauen und ungewohnte Erfahrungen und Begegnungen nicht zu scheuen.</p>
<p style="text-align: left;">Vielleicht ist es befreiend, diejenigen, die sich da pl&#246;tzlich mit ihren Nussschalen und Einb&#228;umen im selben Gew&#228;sser tummeln, als „<em>idiotae“</em>, „<em>Loser</em>“, „<em>St&#252;mper</em>“, „<em>einf&#228;ltige Laien</em>“, „<em>Narren</em>“ und „<em><a href="http://www.ruhrbarone.de/handelsblatt-chef-gegen-dummblogger-fur-qualitat/" target="_blank">Dummschw&#228;tzer</a></em>“ zu bezeichnen. Es gibt aber &#252;berzeugendere Arten, zu zeigen, was man unter Kompetenz und Qualit&#228;t versteht.</p>
<p style="text-align: left;">Wenn die Empf&#228;nger anfangen, zu senden, kann das f&#252;r die, die bisher nur gesendet haben, auch Anlass sein, die Antennen auf Empfang zu stellen. Gelegentlich zuzuh&#246;ren und sich ins Gespr&#228;ch zu begeben. Nicht wahllos und beliebig, aber doch. Das Netz ist keine Reihenhaussiedlung, in der ein Blogwart den J&#228;gerzaun pflegt, unerw&#252;nschte Elemente au&#223;en vor h&#228;lt und einen gesch&#252;tzten Raum herstellt, in dem man nur mit seinesgleichen Umgang pflegt. Es ist ein Ort der &#252;berraschenden Begegnungen und Entdeckungen. Wer unter dieser Vielfalt nicht leidet und sich nicht in ihr verliert, sondern sie produktiv zu nutzen versteht, wird sie als Chance und nicht als Ende von etwas begreifen.</p>
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		<title>Einstimmung</title>
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		<pubDate>Tue, 24 Feb 2009 22:57:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>radierer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Vorzeichen]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein Blog ist ein Projekt auf Zeit. Einer meiner Lieblingsblogger, Sebastian vom Alarmschrei, hat vor ein paar Tagen (zum zweiten Mal) angek&#252;ndigt, seines bis auf Weiteres zu beenden: „Das Polemisieren, Aus-der-H&#252;fte-Schie&#223;en und Besserwissen kann Spa&#223; machen und hat einen gewissen Charme, weshalb ich auch nichts gegen andere Blogger habe, die es tun, aber es langweilt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Blog ist ein Projekt auf Zeit.</p>
<p>Einer meiner Lieblingsblogger, Sebastian vom <a href="http://www.alarmschrei.de">Alarmschrei</a>, hat vor ein paar Tagen (zum zweiten Mal) angek&#252;ndigt, seines bis auf Weiteres zu <a href="http://www.alarmschrei.de/2009/02/17/neuschliessung-2/">beenden</a>:</p>
<p>„<em>Das Polemisieren, Aus-der-H&#252;fte-Schie&#223;en und Besserwissen kann Spa&#223; machen und hat einen gewissen Charme, weshalb ich auch nichts gegen andere Blogger habe, die es tun, aber es langweilt mich. Die L&#246;sung, es doch dann anders und besser zu machen, klingt gut, w&#252;rde aber mehr Zeit in Anspruch nehmen, als ich &#252;brig habe. Au&#223;erdem ist man durch so ein jahrealtes Format auch ein wenig festgelegt, und ich will das Bisherige auch gar nicht widerrufen, aber eben auch nicht damit weitermachen. Es ist vorhersehbar geworden und f&#252;hrt aus meiner Sicht zu nichts Neuem mehr.</em>“</p>
<p>Ich kann das verstehen. Genau diese Gr&#252;nde haben dazu gef&#252;hrt, dass ich mit meinen beiden ersten Versuchen stecken geblieben bin. Man st&#252;ckelt eins an das andere, fast immer mit weniger Zeit und Sorgfalt als man eigentlich m&#246;chte. Man erzeugt ein Bild von sich, ob man will oder nicht. Und je l&#228;nger man daran arbeitet, desto schlechter passt man hinein. Fr&#252;her oder sp&#228;ter f&#252;hlt man sich gefangen in der Figur, die da entstanden ist. Sie kommt einem langweilig und ein wenig peinlich vor. Sie hat freigiebig Meinungen produziert, und viele davon scheinen einem mit etwas zeitlichem Abstand nicht mehr besonders relevant oder interessant zu sein. Zu schnell geschossen. Zu tief gezielt. Man ist nicht mehr dort, wo das steht. Man m&#246;chte sich hinausstehlen und leise die T&#252;r hinter sich schlie&#223;en.</p>
<p>Leider werden von solchen Bedenken nur selten die gequ&#228;lt, die tats&#228;chlich zu schnell schie&#223;en und zu tief zielen. Eher sind es Leute wie Sebastian, die wirklich etwas zu sagen haben und von anderen gern gelesen werden. Die nachdenklich sind und Dinge durchdenken k&#246;nnen. K&#252;nstler des produktiven Zweifels. Die Balance zwischen Produktivit&#228;t und Zweifel ist sehr fragil: schnell ist die Sache gekippt, und eines von beiden erdr&#252;ckt das andere.</p>
<p>Ich hoffe darauf, dass Sebastian bald das Gleichgewicht wiederfindet und seine Zweifel wieder produktiv macht. Wie vorl&#228;ufig, fragmentarisch und sporadisch auch immer. Und ob im Alarmschrei oder unter einer anderen &#220;berschrift. Es stimmt schon: der Name „Alarmschrei“ stammt aus einem versunkenen Zeitalter. Andererseits: Welcher Titel w&#228;re denn passender f&#252;r ein neues Projekt, und wie lange w&#228;re er das? Man muss Unvollkommenheit ertragen k&#246;nnen, um etwas fertigzubringen.</p>
<p>In diesem Sinne &#246;ffne auch ich die T&#252;r und wage mich, noch nicht ganz trittfest, wieder hinaus aufs Seil.</p>
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